»Virginia Woolfs Essay ist ein scharfes Fernrohr. Aus 90 Jahren Entfernung holt sie die Gegenwart nah heran.«
Antje Rávik Strubel

 

Vom Verachtetwerden oder drei GuineenImmer wieder hat sich Virginia Woolf mit der Frauenfrage befasst. Am berühmtesten ist wohl ihr hellsichtiger Essay Ein Zimmer für sich allein (1929). In Vom Verachtetwerden, zehn Jahre später erschienen, ist Woolfs Ton weniger ironisch, ihre Haltung unnachgiebiger. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fragt sie sich, wie Frauen einen Krieg verhindern sollen, wenn sie ausgeschlossen sind von Aufgaben in Öffentlichkeit und Politik, und übt damit grundsätzliche Kritik am Patriarchat. Auf eindrückliche Weise verbindet Woolf hier schon früh das Private mit dem Politischen, den Aufstieg der Faschisten mit grundsätzlichen gesellschaftlichen Macht- und Denkstrukturen: Die Wurzel des Faschismus liege in der Vorherrschaft des Mannes in sämtlichen Lebensbereichen. Aber Woolf kritisiert nicht nur, sondern entwirft auch ein utopisches Gesellschaftmodell, eine Welt, in der Frauen Familie und Erwerbstätigkeit verbinden, sich in Ausbildung und Beruf frei entfalten, wirtschaftliche Unabhängigkeit und intellektuelle Freiheit erreichen: So könnten Frauen für dieselbe Sache arbeiten und kämpfen wie Männer, auf Augenhöhe mit ihnen. Woolfs noch heute hochaktueller Essay macht deutlich, dass Terror, Unrecht, Autoritarismus nur dann wirklich aus der Welt zu schaffen sind, wenn sie auch im »Kleinen« erkannt und bekämpft werden.

VIRGINIA WOOLF
Vom Verachtetwerden oder Drei Guineen
Originaltitel: Three Guineas
Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Antje Rávik Strubel
Neuübersetzung
ca. 272 Seiten | Leinen mit farbigem Vorsatz
ca. € (D) 24,– | ca. sFr 32,50 | ca. € (A) 24,70
ISBN 978 3 311 22005 3 | Auch als E-Book
erscheint am 23. September 2021

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